Presseinformation.

19.05.2010

Branchenstudie von Sachsen Bank und HHL: Die Zukunft der mitteldeutschen Mikroelektronik - Positive Diversifizierung oder kompensationsloser Niedergang?

Wird die Mikroelektronik-Branche in Mitteldeutschland langfristig wettbewerbsfähig sein können? Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, damit der Erfolg von „Silicon Saxony“ fortgeschrieben werden kann? Oder wird die Übermacht asiatischer Produktionsstätten die Mikroelektronikbranche in Mitteldeutschland mittelfristig ganz verschwinden lassen? Mit diesen Fragen setzt sich das aktuelle „Sachsen Bank Branchenszenario Mittelstand“ auseinander. Gleichzeitig gibt die Studie des Lehrstuhls für Strategisches Management und Organisation der Handelshochschule Leipzig (HHL) Handlungsempfehlungen für Wirtschaft und Politik.

Die Studie entstand im Rahmen einer auf drei Jahre angelegten Zusammenarbeit zwischen der HHL und der Sachsen Bank zur wissenschaftlichen Untersuchung von Mittelstandsthemen, aus der zukünftig Szenariostudien für weitere Schlüsselbranchen in Mitteldeutschland folgen werden. „Die Sachsen Bank sieht sich als Partner der mittelständischen Unternehmen in Mitteldeutschland. Deshalb unterstützt sie auch gerne und gezielt diese Art der praxisnahen Forschung. So können wir unsere eigene Expertise stärken und den Unternehmen zudem mögliche Entwicklungen aufzeigen", erläutert Prof. Harald R. Pfab, Vorstandsvorsitzender der Sachsen Bank, die Kooperation mit der HHL.

Auf Basis umfangreicher Literaturanalysen, einer Expertenbefragung und mehrerer Workshops hat das Team um Professor Dr. Torsten Wulf vier Szenarien entwickelt. Diese Szenarien – „Diversifizierung“, „Konversion“, „Zusammenbruch“ und „Auslaufmodell“ – zeigen, dass die Mikroelektronik in Mitteldeutschland sehr positive Entwicklungsperspektiven besitzt, sich aber auch schwierigen Herausforderungen gegenüber sieht. Ob eher die Chancen oder eher die Risiken das künftige Bild der Branche prägen werden, ist – so das Ergebnis der Studie – in hohem Maße davon abhängig, wie Unternehmen und Politik in Mitteldeutschland mit den Herausforderungen der Branche umgehen.

So beschreibt das Szenario „Diversifizierung“ die Mikroelektronik als Ausgangspunkt für eine positive Differenzierung der Unternehmenslandschaft in Mitteldeutschland in neue Technologiefelder. Gleichzeitig wächst der Sektor unternehmensnaher Dienstleistungen stark. Voraussetzung für diese positive Entwicklung ist insbesondere eine innovative staatliche Förder-, Forschungs- und Bildungspolitik. Genauso möglich ist jedoch auch ein Szenario „Zusammenbruch“, das die schnelle Abwanderung der Mikroelektronik und damit den Niedergang von Silicon Saxony beschreibt. Dies könnte dann eintreten, wenn Mitteldeutschland gegenüber Mikroelektronik-Clustern in Asien sowohl bezüglich der Kostenstrukturen wie auch der Forschung und Entwicklung weiter an Boden verliert.

Prof. Dr. Torsten Wulf resümiert: „Unsere Szenarien zeigen, dass es Wirtschaft und Politik in Mitteldeutschland im Wesentlichen selbst in der Hand haben, die Zukunft der Branche positiv zu gestalten. Konkret ergeben sich aus unseren Szenarien mehrere Implikationen für Unternehmen und Politik: Unternehmen der Mikroelektronik-Branche empfehlen wir, sich auf die Erschließung neuer Anwendungsfelder, zum Beispiel im Bereich der Nanotechnologie, der organischen Materialien, der Sensorik oder der Medizin- und Beleuchtungstechnik zu fokussieren. Durch die Stärkung von Kompetenzen, insbesondere in Bereichen wie Anwendungsentwicklung und Marketing, können so neue Geschäfte entwickelt werden. Darüber hinaus zeigen unsere Szenarien, welchen Einfluss die Rahmenbedingungen, insbesondere die Forschungs-, Bildungs- und Investitionsförderpolitik, haben können. Hier ist die Politik in Mitteldeutschland gefordert, innovative Konzepte für Bildung und Forschung zu entwickeln, die gar nicht unbedingt teuer sein müssen.“

Die „Sachsen Bank Branchenszenarien Mitteldeutschland: Zukunftsszenarien für die Mikroelektronik in Mitteldeutschland“ stehen kostenfrei auf folgender Internetseite zum Download bereit:

Handelshochschule Leipzig (HHL)
Die HHL ist eine universitäre Einrichtung und zählt zu den führenden internationalen Business Schools. Ziel der ältesten betriebswirtschaftlichen Hochschule im deutschsprachigen Raum ist die Ausbildung leistungsfähiger, verantwortungsbewusster und unternehmerisch denkender Führungspersönlichkeiten. Neben der internationalen Ausrichtung spielt die Verknüpfung von Theorie und Praxis eine herausragende Rolle. Die HHL zeichnet sich aus durch exzellente Lehre, klare Forschungsorientierung und praxisnahen Transfer sowie hervorragenden Service für ihre Studierenden.

Sachsen Bank
Unter dem Dach der Sachsen Bank bündelt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ihr mittelständisches Unternehmenskunden- und das Privatkundengeschäft in Mitteldeutschland. Dabei verbindet sie das breite Produkt- und Dienstleistungsportfolio der LBBW mit der Kundennähe einer eigenständig agierenden Regionalbank.

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