Kunstpreis der Sachsen Bank

Kunstpreis der Sachsen LB 2006
10. Dezember 2006 bis 4. Februar 2007

Julia Schmidt erhält Kunstpreis der Sachsen LB

08.12.2006

Die Künstlerin umkreist mit ihren Bildern Fragen der Malerei: Die Mittel wie das Genre der Malerei sind Gegenstand ihrer bildnerischen und malerischen Untersuchungen. Die Malerei hat in ihrer langen Geschichte die unterschiedlichsten Setzungen erfahren, mit der Ordnung von Begriffen wie Abstraktion und Figuration, Fiktion und Wirklichkeit, Ähnlichkeit und Differenz ist die Malerei heute kaum noch zu fassen. Die Malerin sucht radikal ihren eigenen Weg.

Julia Schmidt nimmt in ihren Arbeiten Bezug auf das fotografische, filmische und gemalte Bild. In einem langen Prozess, der durch ein stetiges Fragen, Auf- und Abtragen der Malschichten gekennzeichnet ist, sucht sie neue Bildlösungen. Die Umsetzung einer Fotografie, Postkarte, eines Pressebildes in die Malerei bedeutet für die Künstlerin Dekonstruktion wie Rekonstruktion. Sie greift ein Bildthema wiederholt auf und durch die stetige Reduzierung von Motiv und Farbe sind ihre Kompositionen oftmals abstrakt, das Motiv verfremdet. Details, wie das Schultertuch aus einem Gemälde Degas‘, scheinbare Nebensächlichkeiten wie ein Wurmloch, eine Vogelscheuche, ein ausgelaufener Filzstiftfleck auf einer Handtasche aber auch kostbare Accessoirs aus der Mode wie Gürtel und Ketten sind Themen ihrer Arbeiten. Objekte, herausgelöst aus ihrem Kontext, mit unterschiedlichen ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Werten sind zu sehen.

In Schmidts Bildern ist auch ein Prozess der Verlangsamung auszumachen, die klassischen zeitlichen und narrativen Strukturen sind aufgehoben. Ein Innehalten ist zu erkennen, ein flüchtiger Augenblick festgehalten. Der Blick wird durch Schmidts Malerei auf alltägliche Dinge und ihre Werteskala neu gelenkt. Gleichzeitig sind die – oftmals banalen – Gegenstände, durch eine Freude an der Malerei wie ihre sinnliche malerische Umsetzung, sehr verführerisch. Julia Schmidt setzt in ihren Werken die malerischen Reize der Malerei, die malerischen Verfremdungs- und Verführungsmöglichkeiten bewusst ein und irritiert den Betrachter mit der Ambivalenz der Objekte sowie dem Zauber und der Kraft der Malerei.

Julia Schmidt

  • Geboren 1976 in Wolfen
  • 1995 bis 1998 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), Leipzig
  • 1998 bis 2000 Glasgow School of Art, Abschluss mit dem Bachelor oft Art * 2001 Diplom an der HGB Leipzig
  • Einzelausstellungen: 2006 New Fabrics, Casey Kaplan Gallery/New York; 2004 hard edge soft focus, Galerie Kleindienst/Leipzig; 2003 Plasil, Galerie Liga/Berlin; 2002 where the debris meets the sea, Galerie Liga/Berlin.

Der Kunstpreis der Sachsen LB

Der Kunstpreis wurde 2002 von der Sachsen LB aus Anlass ihres zehnjährigen Bestehens gestiftet und wird turnusmäßig alle zwei Jahre vergeben. Er richtet sich an junge Kunstschaffende, deren Werke innerhalb der vorangegangen beiden Jahre in Leipzig ausgestellt wurden. Bestandteil des Preises sind die Einzelausstellung im Museum der bildenden Künste sowie die Stiftung eines der ausgestellten Werke an das Museum. Damit setzt die Sachsen LB ebenso auf eine kontinuierliche Förderung zeitgenössischer junger Kunst in Sachsen wie auf eine nachhaltige Entwicklung der Kulturstadt Leipzig. 2002 erhielt Tilo Baumgärtel den ersten Kunstpreis der Sachsen LB. Ihm folgte 2004 die Fotografin Ricarda Roggan. Julia Schmidt wurde aus 49 Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt, die von 19 Leipziger Galerien, Museen und selbstorganisierten Ausstellungsorten vorgeschlagen worden waren. Der vierköpfigen Auswahljury gehörten an: Dr. Ludger Derenthal (Leiter des Museums für Fotografie, Berlin), Peter Herbstreuth (Kunstkritiker und freier Autor, Berlin), Dr. Ulrike Lorenz (stellvertretenden Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg) und Dr. Hans-Werner Schmidt (Museum der bildenden Künste Leipzig).

Eintritt und Öffnungszeiten

Ständige Sammlung 7 €, ermäßigt 5 €, Kombiticket 11 €, ermäßigt 8 € am zweiten Mittwoch im Monat freier Eintritt Dienstag und Donnerstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch 12-20 Uhr, Montag geschlossen, Feiertage 10–18 Uhr, 24. und 31.12.2006 geschlossen

Eröffnung

Am Samstag, dem 9. Dezember 2006, um 18 Uhr Grußworte: Dr. Hans-Werner Schmidt/Direktor Museum der bildenden Künste Leipzig Laudatio: Dr. Beatrice von Bismarck/Professorin für Kunstgeschichte und Bildwissenschaft, HGB Leipzig Preisverleihung: Andreas Fohrmann/Generalbevollmächtigter Sachsen LB

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