Presseinformation.

23.05.2012

Branchenszenario von Sachsen Bank und HHL: Zukunftsszenarien für die Fernwärme in den neuen Bundesländern

Wird die Fernwärme in den neuen Bundesländern bis 2021 einen Niedergang erleben oder sogar vollständig verschwinden? Wird die Entwicklung der Branche weiterhin vom Preis relativ zu anderen Energieträgern getrieben? Oder wird ein Trend hin zu einer dezentralen Energieversorgungsstruktur in Form von Nahwärmenetzen die Zukunft der Branche bestimmen? Mit diesen Fragen setzt sich das aktuelle "Sachsen Bank Branchenszenario Mittelstand" auseinander. Gleichzeitig gibt die Studie des Lehrstuhls für Strategisches Management und Organisation der HHL Leipzig Graduate School of Management Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft.

Die Studie entstand in Zusammenarbeit zwischen der HHL und der Sachsen Bank zur wissenschaftlichen Untersuchung von Mittelstandsthemen. "Wir unterstützen ganz bewusst diese Art der praxisnahen Forschung. So können wir unsere eigene Expertise stärken und dadurch die hiesigen mittelständischen Unternehmen noch besser und kompetenter unterstützen", erläutert Prof. Harald R. Pfab, Vorsitzender des Vorstands der Sachsen Bank, die Kooperation mit der HHL.

Auf Basis von zwei Kernunsicherheiten und wichtigen Branchentrends hat das Team der HHL um Professor Dr. Torsten Wulf vier Zukunftsszenarien für die Fernwärme in den neuen Bundesländern entwickelt. Diese Szenarien – "Fernwärme 2.0", "Ökologische Renaissance", "Niedergang" und "Räumungsverkauf" – zeigen, dass die Fernwärme in den neuen Bundesländern sehr positive Entwicklungsperspektiven besitzt, sich aber auch schwierigen Herausforderungen gegenüber sieht. Ob eher die Chancen oder eher die Risiken das künftige Bild der Energiebranche prägen werden, ist – so das Ergebnis der Studie – in hohem Maße davon abhängig, wie Politik und Wirtschaft mit den Herausforderungen der Branche umgehen.

So beschreibt das Szenario "Fernwärme 2.0" eine Zukunft, in der die Fernwärme ihre Marktposition bei der Wärmeversorgung in den neuen Bundesländern ausbauen kann. Neue Anwendungen wie Fernkälte, Wärmespeicher, effiziente Verlegeverfahren beim Ausbau der Fernwärmenetze sowie ein durch die Regierung geförderter Einsatz von erneuerbaren Energien lassen die Fernwärme in neuem Glanz erstrahlen.

Genauso möglich ist jedoch auch ein Szenario "Niedergang", das das langsame Aus der Fernwärme als Energieträger beschreibt. Hierbei würden anhaltende Novellierungen von Gesetzen zur Einsparung von Energie zu einer Reduzierung des Primärenergieeinsatzes und steigenden Kosten für Endverbraucher führen. Fernwärmeunternehmen schaffen es in diesem Kontext nicht, den gesetzlichen Anreiz zum Einsatz von erneuerbaren Energien für sich zu nutzen und besitzen gegenüber Wettbewerbsenergieträgern keinen Preisvorteil. Verbraucher setzen daher auf Mini-Blockheizkraftwerke (BHKWs), um ihre eigene Wärme zu erzeugen. Auf diese Entwicklung wären Fernwärmeunternehmen nicht vorbereitet und erlebten als Konsequenz einen langsamen Untergang ihrer Branche.

Prof. Dr. Torsten Wulf resümiert: "Unsere Szenarien zeigen, dass es Politik und Wirtschaft im Wesentlichen selbst in der Hand haben, die Zukunft der Fernwärme positiv zu gestalten. Konkret ergeben sich aus unseren Szenarien mehrere Implikationen für die Politik und für die Unternehmen. Der Politik empfehlen wir für eine langfristige Planungssicherheit der Akteure ein klares Bekenntnis zur Fernwärme, die heute häufig noch wenig öffentliche Beachtung findet, die aber im Zuge der Energiewende eine wichtige Rolle spielen kann. Investitionsprojekte in Fernwärmenetze und überregionale Energieleitungen können nur von mehreren Partnern getragen werden. Diese gilt es zu fördern und gegebenenfalls durch Änderungen im Kommunalrecht zu unterstützen. Ein zweites Element der "Kernstrategie" für politische Entscheidungsträger in den neuen Bundesländern besteht im gezielten Einsatz finanzieller Förderinstrumente. Angesichts des Städteumbaus und des demographischen Wandels in den neuen Bundesländern sollte die Politik ländliche Regionen und kleinere Städte stärken, um eine Umsiedlung der Bevölkerung weg aus Fernwärmegebieten zu vermeiden.

Unternehmen der Branche empfehlen wir, einen noch stärkeren Fokus auf den Einsatz erneuerbarer Energien bei der Erzeugung von Fernwärme zu legen und dies gegenüber den Verbrauchern durch wirksame Öffentlichkeitsarbeit verstärkt zu kommunizieren. Darüber hinaus sollten Fernwärmeunternehmen erste Erfahrungen bei der Erschließung und dem Betrieb von Nahwärmenetzen aufbauen. Neben der Erschließung von Nahwärmenetzen können sich Fernwärmeunternehmen durch den Einsatz technischer Innovationen vom Wärmelieferanten zum Wärmedienstleister entwickeln. Wir empfehlen Unternehmen daher eine technologische Weiterentwicklung hin zu effizienteren Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, die eine flexiblere Erzeugung sowohl von Strom als auch Wärme ermöglichen.

Die "Sachsen Bank Branchenszenarien Mitteldeutschland: Zukunftsszenarien für die Fernwärme in den neuen Bundesländern" steht Ihnen auf folgender Internetseite zum Download bereit:

HHL Leipzig Graduate School of Management
Die HHL ist eine universitäre Einrichtung und zählt zu den führenden internationalen Business Schools. Ziel der traditionsreichsten betriebswirtschaftlichen Hochschule im deutschsprachigen Raum ist die Ausbildung leistungsfähiger, verantwortungsbewusster und unternehmerisch denkender Führungspersönlichkeiten. Die HHL zeichnet sich aus durch exzellente Lehre, klare Forschungsorientierung und praxisnahen Transfer sowie hervorragenden Service für ihre Studierenden. www.hhl.de

Sachsen Bank
Unter dem Dach der Sachsen Bank bündelt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ihr mittelständisches Unternehmenskunden- und das Privatkundengeschäft in Mitteldeutschland. Dabei verbindet sie das breite Produkt- und Dienstleistungsportfolio der LBBW mit der Kundennähe einer eigenständig agierenden Regionalbank. www.sachsenbank.de

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